{"id":742,"date":"2015-11-04T19:05:53","date_gmt":"2015-11-04T18:05:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.writing-home.de\/?p=742"},"modified":"2023-10-11T14:10:03","modified_gmt":"2023-10-11T12:10:03","slug":"niedrige-beweggrunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.writing-home.de\/?p=742","title":{"rendered":"Niedrige Beweggr\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<p>Gedanken aus der Vorlesung. Teil zwei. Scheint also eine Reihe zu werden, dieses Gedankending&#8230; lasst mich mal wissen was ihr dazu denkt.<\/p>\n<p>\u00a7211, Absatz 2, StGB: Mord &#8222;M\u00f6rder ist, wer, (&#8230;) oder sonst aus niedrigen Beweggr\u00fcnden (&#8230;) einen Menschen t\u00f6tet.&#8220;<\/p>\n<p>Die klassische Studentenfrage: Was sind &#8222;niedrige&#8220; (oder niedere) Beweggr\u00fcnde, neben Mordlust, Habgier, Befriedigung des Geschlchtstriebs (Leute tun sowas wirklich. Anscheinend. Ich betrachte das ganze hier abstrakt und gehe nicht weiter darauf ein, okay? Gut.)?<\/p>\n<p>Sind wir mal ganz spontan: Pers\u00f6nlicher Hass. Klar. Eifersucht. Naja vielleicht manchmal doch auch der \u00a7213 (minder schwerer Fall des Totschlags), aber grunds\u00e4tzlich erstmal ja. Rassismus! Nat\u00fcrlich, niedrigster Beweggrund \u00fcberhaupt. Terrorismus (also die Durchsetzung politischer Ziele mit Gewalt). \u00dcberhaupt, so Ideologiekrams, ist doch logisch. Was noch? Ja, langsam wird&#8217;s schwierig. Rache! Schl\u00e4gt der Student aus der letzten Reihe vor, speziell Blutrache (&#8222;Wenn einer mein Kind anfasst und dann bringe ich ihn halt um.&#8220;), oder auch nicht? Wir k\u00f6nnten hier bestimmt weiter machen, aber das ist nicht der Punkt.<\/p>\n<p>Der Punkt ist: Als niedrige Beweggr\u00fcnde definiert die Rechtsprechung (in \u00dcbereinstimmung mit der herschenden Lehre) &#8222;Motive, die nach allgemeiner rechtlich-sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehen, durch hemmungslose Eigensucht bestimmt und deshalb besonders verachtenswert sind&#8220;. Und hier kommt jetzt mein &#8222;Was zur H\u00f6lle?!?&#8220;-Moment. Jede T\u00f6tung ist doch grunds\u00e4tzlich erstmal verachtenswert. Klar, als Juristen m\u00fcsen wir da qua Beruf Wertungen und Abstufungen vornehmen, aber bitte?! Diese Formulierung ist so schwammig, damit k\u00f6nnte ich meine eigene Oma zur M\u00f6rderin argumentieren, und sei es nur, weil sie so guten Kuchen backt.<\/p>\n<p>Ich habe mich also ein bisschen aufgeregt. Und dann dr\u00fcber nachgedacht. Eigentlich ist das gar nicht so dumm. Eigentlich ist das sogar eine ziemlich gute Formulierung. Sie sch\u00fctzt uns vor BILD-Urteilen, vor Fehlurteilen und \u00fcberzogenen Reaktionen, und sie schiebt den schwarzen Peter der Gesellschaft zu: Allgemein soll sie sein, die Wertung, also aus der Mitte der Gesellschaft heraus, aus dem Konsens dessen, was wir f\u00fcr &#8222;in Ordnung&#8220; halten (Den Notwehrexzess, klar. Passiert. Fahrl\u00e4ssigkeit. Schei\u00dfe, aber kommt vor. Die provozierte T\u00f6tung. Meinetwegen auch die, ja okay.) und was echt nicht mehr klar geht (Raubmord. Vergewaltigung. Terrorismus. Rache. Rassismus. So&#8217;ne Schei\u00dfe halt.). Soll die Gesellschaft \u00fcber die &#8222;besondere Verachtenswertheit&#8220; des Motivs entscheiden.<\/p>\n<p>Aber halt. Wie passt denn der gew\u00f6hnliche Totschlag in diese Konstellation?, rief ich an dieser Stelle (gedanklich) aus. Was macht den Totschlag aus &#8222;H\u00f6heren&#8220; (?) Beweggr\u00fcnden weniger verwerflich als den Totschlag aus &#8222;Niedrigen&#8220; Beweggr\u00fcnden (den sogenannten &#8222;Mord&#8220;)? Welche Motive sind &#8222;edel&#8220; und welche &#8222;niedrig&#8220;? Ich ruf euch an wenn ich&#8217;s wei\u00df.<\/p>\n<p>Und so endet dieser Text mit dem Fazit: Recht ist schwammig. Mord ist schei\u00dfe. Und irgendwie ungenau definiert. Sollte man nochmal \u00fcberarbeiten, den Tatbestand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken aus der Vorlesung. Teil zwei. 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