Ich muss mich jetzt einfach mal aufregen! Ich habe einen Artikel über einen Pariser Studenten gelesen, der sich aus Protest, und vermutlich auch als letzten Ausweg, selbst angezündet hat. Warum? Weil er durch das Examen gefallen war, sein Stipendium weggefallen ist und weil er sowieso neben dem Studium arbeiten musste um überhaupt über die Runden zu kommen.

Nachzulesen hier: https://monde-diplomatique.de/artikel/!5639255

Ich war schockiert und an meine eigene Situation erinnert (und ich bin mir sicher, es geht nicht nur mir so!).

Damit ihr mich versteht hole ich etwas aus: Als ich an der JLU Gießen für Tiermedizin angenommen wurde ging für mich ein Traum in Erfüllung. Und die Bürokratie los. Denn meine Mutter ist Alleinerziehende und Geringverdienerin. Meinen Vater habe ich noch nie gesehen und auch sein Geld noch nie. Denn er zahlte mir nichts. Obwohl es (gerichtlich festgestellt) seine Pflicht gewesen wäre. All das habe ich angegeben und auch direkt alle Unterlagen ans Studentenwerk für das Bafög geschickt. Ich habe 4 Monate (!) gewartet, weil mein Vater ausfindig gemacht werden musste. Ohne meinen Mann hätte ich mein Studium also schon nicht mal antreten können. Dann geht es weiter: nach diesen 4 Monaten will ich einen Antrag auf Vorauszahlung stellen und man bittet mich in das Büro der Chefin. “Also die gute Nachricht ist, diesen Antrag brauchen sie nicht. Die schlechte ist, ihr Vater ist seit 2016 verstorben.”

Wow.

Feingefühl in Person… ich war baff und musste das erstmal verarbeiten. Klar kannte ich diesen Mann nicht, aber ich wollte ihn ja schon irgendwann einmal kennenlernen … nun war mir die Möglichkeit genommen. Und mir wurde weder der pyschologische Dienst der Uni noch das Sorgentelefon empfohlen. Auch hier wäre ich ohne meinen Mann und meine Mutter einfach untergegangen. (Auch ein Grund für meine jetzige Depression, vermute ich übrigens). Also schön, ich konnte also in Ruhe studieren und bekam Geld vom Staat. Bis ins 4. Semester. Ich hatte zwischenzeitlich den Tod einer Katze und eine diagnostizierte Depression zu verarbeiten. Auch ein Grund war der Leistungsdruck, dem ich ausgesetzt war.

Medizin ist nicht einfach, vor allem wenn man ständig die “Regelstudienzeit” im Nacken hat. Regelstudienzeit für Staatsexamensstudiengänge … manchmal habe ich das Gefühl es wird nicht so viel nachgedacht … naja und da ich eine Prüfung nicht geschafft, habe musste ich meinen Leistungsnachweis negativ bescheinigen lassen. Eigentlich ist Depression ein schwerwiegender Grund, doch meine anscheinend nicht. Das war jedenfalls die Antwort auf meinen Antrag auf Verlängerung der Frist. “Es sei nicht davon auszugehen, dass meine Depression am negativen Leistungsnachweis schuld sei, sondern das Nichtbestehen der Klausur.” Ähm … ja … durch meine mittelschwere Depression für die ich auch Antidepressiva nehme … das ist das Aus für mein Studium. Ich kann nicht neben einem Medizinstudium arbeiten gehen. Und so verabschiede ich mich von meinem Traum.

Liebes Bundesministerium für Forschung und Bildung, ist das in eurem Sinne? Soll das alles so?

Alle die mich kennen, wissen, dass ich glücklich bin mit dem was ich jetzt anfangen werde. Dennoch wurde mir die Chance genommen, zu schauen, ob ich auch als Tierärztin hätte glücklich werden können, und das macht mich traurig und wütend! Nicht für mich, sondern für all die anderen, denen es auch so geht und vielleicht keine großartige zweite Idee für ihr Leben haebn.